Expo Real – 3 Herausforderungen muss die Immobilienbranche meistern
Holger Winkelsträter,
14.10.2019
TGA

Expo Real – 3 Herausforderungen muss die Immobilienbranche meistern

Das war die Expo Real 2019. Die Branche hatte Anlass genug, sich selbst zu feiern: Wie eine Umfrage unter den Teilnehmern ergab, erwartet die deutliche Mehrheit für 2019 ein gutes Finanzergebnis, mehr als jeder zehnte Befragte stellt sich sogar auf ein Rekordjahr ein1. Mit einer neuen Halle für Innovationen erweiterte sich das Messegelände auf spektakuläre sieben Hallen. Der Immobilienmarkt boomt. Doch die drei Messetage machten eines mehr als deutlich: Die Herausforderungen werden nicht weniger. Auf diese drei Entwicklungen sollte sich die Branche einstellen.
   

#1 Klimapositive Gebäude

Dem Umweltbundesamt zufolge verursachen Immobilien ca. 30 Prozent des CO2-Ausstoßes in Deutschland². Und spielen deshalb eine zentrale Rolle in der Klimadebatte. Das jüngste Klimapaket der Bundesregierung hat die ersten Weichen gestellt. Das ehrgeizige Ziel: bis 2050 soll ein klimaneutraler Gebäudebestand erreicht werden. Ölheizung, undichte Fenster, schlechte Dämmung – vor allem bei Bestandsgebäuden muss nachgebessert werden. Gebäude energieeffizient und nachhaltig zu bauen und zu betreiben wird eine der wichtigsten Herausforderungen sein. National wie international müssen schnell große Fortschritte erzielt werden.

Der ökologische Fußabdruck war daher auch ein Kernthema der diesjährigen Messe. Der DGNB verlieh am zweiten Messetag erstmals die Auszeichnung „Klimapositiv“ an besonders nachhaltige Gebäude. Die Botschaft ist eindeutig: Nachhaltig muss das neue Normal werden. Das erfordert auch einen festen Schulterschluss aller beteiligten Akteure – vom Architekten bis zum Investor.

Weitere Beiträge zum Thema:
Die Energiepolitik der EU bleibt einheitlich - auf Umweltkurs
CO2-Steuer: Was erwartet Gebäudebetreiber?
Nur noch kurz die Welt retten? Und das betriebswirtschaftlich sinnvoll?
   

#2 Digitale Infrastruktur

Bau- und Serviceroboter, die Menschen gefährliche Arbeiten abnehmen, passgenaue Bauteile aus dem 3D-Drucker, Gebäude oder ganze Stadtviertel, die sich untereinander austauschen – das klingt nach Zukunftsvision, zeichnet sich heute allerdings bereits ab.

Architekten, Fachplaner und ausführende Unternehmen arbeiten zum Beispiel dank digitaler Planungsmethoden wie Building Information Modeling enger zusammen und reduzieren dadurch Bauzeiten und -kosten signifikant. Alle wichtigen Gebäudedaten lassen sich mittels Sensorik erfassen. Sie fließen in einer Fernwarte zusammen, werden analysiert und fortlaufend optimiert. Mit sichtbarem Erfolg: bis zu einem Drittel der benötigten Energie kann dadurch eingespart werden, Ausfallzeiten werden minimiert. Und der Kunde kann alles auf seinem Endgerät einsehen und nachverfolgen.

Mit dem technologischen Fortschritt geht auch ein gesellschaftlicher Paradigmenwechsel einher: Für die heranwachsende Generation wird es immer selbstverständlicher, die digitalen Möglichkeiten bei Kommunikation und Konsum auszuschöpfen. Gleichzeitig sind Bedenken in punkto Überwachung und Datensicherheit weniger ausgeprägt. Kurz gesagt: Digitale Lösungen werden besser angenommen.

Das alles hilft wenig, wenn die grundlegende Infrastruktur fehlt. Ohne ein flächendeckendes schnelles Internet und zügige Genehmigungsverfahren bleibt die „Smart City“ vorerst eine Vision. Denn viele deutsche Kommunen sind von einer digitalen Infrastruktur noch weit entfernt.

Weitere Beiträge zum Thema:
Vernetzte Sensoren im Gebäude - Was leisten sie wirklich?
Weniger Ausfallzeiten durch digitale Fernüberwachung

#3 Flexible Flächennutzung

Die befragten Messeteilnehmer gaben an, dass insbesondere Gesundheits- und Pflegeimmobilien sowie Wohnimmobilien in Deutschland an Bedeutung gewinnen werden. Hinzu kommen gemischt genutzte Immobilien. Ob Co-Living, Co-Working oder Pop-up-Vermietungen: ein immer knapperes Raumangebot in Städten erfordert eine flexible Flächennutzung. Eine Mischnutzung, die Fachmärkte, Büros und Wohnflächen unter einem Dach vereint, ist zunehmend attraktiv für Städter, die kurze Wege und nachbarschaftliche Strukturen suchen – und damit auch für Investoren interessant. 

Das verlangt der Gebäudetechnik einiges ab. Flexibel und gleichzeitig effizient Heizen und Kühlen, auch dann, wenn sich die Belegungsquote im Gemeinschaftsbüro im Wochentakt ändert. Auch die Dimensionen ändern sich: Der Fokus verschiebt sich weg vom Einzelobjekt hin zum Quartiersgedanken inklusive transparentem Datenmanagement. Das ist ohne professionelle Partner im Facility Management kaum zu stemmen.

Weitere Beiträge zum Thema:
Co-Working & Space as a Service: Das Büro von morgen muss flexibel und sicher sein
Bauvorschriften - Kostentreiber oder Qualitätssicherung?
   

Fazit

Nachhaltig, digital und flexibel: die künftige Gebäudenutzung verlangt nach professionellen Partnern bei Planung, Bau und Betrieb von Gebäuden. Gleichzeitig braucht es Investitionen in die öffentliche Infrastruktur. Nur dann kann die City 4.0 gelingen. 

 

Über den Autor

 
Holger Winkelsträter
Holger Winkelsträter
Leiter Marketing & Kommunikation
Als erfahrener Kommunikationsexperte tritt Holger Winkelsträter als starke Stimme für die Gebäudetechnik an. Sein größtes Interesse gilt dabei, unterschiedliche Sichtweisen und Perspektiven miteinander zu verbinden. Sie sind interessiert an einem weiteren Austausch? Vernetzen Sie sich ganz einfach über das Linkedin-Icon mit Holger.
 
 

Text: Beate Eichinger, Bild: Messe München GmbH
Quellen: [1] www.baulinks.de[2] www.umweltbundesamt.de[3] www.wiwo.de