Die Energiepolitik der EU bleibt einheitlich – auf Umweltkurs
Andreas Blassy,
11.09.2019
Facility Management

Die Energiepolitik der EU bleibt einheitlich – auf Umweltkurs

Nach den schwierigen Personaldiskussionen und der Sommerpause steht bei der Europäischen Union nun endlich wieder die Sachpolitik im Mittelpunkt. Was bedeutet das für die Gebäudetechnik?

Der Neustart wird grüner...

… das ist eines der wichtigen Ergebnisse nach der letzten Wahl. Die etablierten Volksparteien haben verloren, Gewinner waren, einmal mehr, die Grünen. Separatistische Tendenzen konnten sich nicht durchsetzen, die EU bleibt handlungsfähig. Die neuen Mehrheitsverhältnisse im Parlament sind nicht zuletzt ein Ergebnis der meinungsbildenden Wirkung eines Extremsommers und der fortdauernden Schülerproteste. Überraschend am Erstarken der Umweltschutzparteien ist allenfalls dessen Ausmaß.

Wer diesen Blog regelmäßig liest, der weiß, dass wir es nicht als unsere Aufgabe sehen, zu werten und zu entscheiden, welche politische Richtung nun die „richtige“ ist und welche nicht. Viel interessanter ist für uns die Frage: Wie wirkt sich dieses Ergebnis auf Gebäudeplaner und -betreiber aus?

Die Klimapolitik der Europäischen Union bleibt stabil...

… das ist für die Investitionssicherheit in jedem Fall eine gute Nachricht. Und zwar sowohl für die großen Konzerne, als auch für kleine und mittelständische Unternehmen. Die neue, überarbeitete Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EU) 2018/844, seit 9. Juli 2018 in Kraft, bleibt weiterhin ein wichtiger Baustein des gemeinsamen Klimakonzepts und muss von den EU-Ländern innerhalb von 20 Monaten in nationales Recht umgesetzt werden. Enormes Potenzial für Effizienzgewinne sehen die EU-Gremien im EU-Bausektor, dem größten Energieverbraucher in Europa. Die neue EU-Richtlinie umfasst Maßnahmen, die die Geschwindigkeit der Gebäudesanierung in Richtung effizienterer Systeme erhöhen soll. Neue Gebäude sollen energiesparender und intelligenter werden. Dies ist der erste von acht Rechtsakten, die im Paket „Saubere Energie für alle Europäer“ angenommen wurden.

Diese Maßnahmen werden sogar von den ansonsten eher EU-kritischen Regierungen in Polen, Rumänien und Ungarn umgesetzt – der Klimaschutz in der Gebäudetechnik scheint also eher integratives Element, denn Streitpunkt. Allenfalls Noch-EU-Mitglied Großbritannien tanzt aus der Reihe – hier spielt die energetische Sanierung von Gebäuden eine eher kleine Rolle – obwohl die Briten ansonsten in puncto Klimaschutz und CO2-Reduktion als sehr fortschrittlich gelten. Im Europa der Zukunft wird die Insel ohnehin keine Rolle mehr spielen.

Europa ist sich einig...

… zumindest was die Energiestandards angeht. Das bedeutet natürlich zunächst einmal höhere Kosten beim Bauen und Sanieren. Denn ein zunehmend grünes EU-Parlament wird das Tempo beim Klimaschutz eher forcieren als bremsen – ob uns das nun gefällt oder nicht. EU-weite Regelungen helfen aber auch, Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden. Sie schaffen langfristige Planungssicherheit – und werden sich schon bald bezahlt machen, für das Klima und für die Wirtschaft. Denn, seien wir doch ehrlich: Der Strukturwandel, weg von den fossilen Energieträgern, ist früher oder später unvermeidlich. Öl, Gas und Kohle sind eben keine nachwachsenden Rohstoffe. Und je früher und stringenter wir diese Umstrukturierung angehen, desto mehr können wir in Zukunft von ihr profitieren.

 

Über den Autor

 
Andreas Blassy
Andreas Blassy
Leiter Digital- & Energie Services
Beim Thema Energie geht Andreas Blassy nicht die Energie aus: Er entwickelt innovative Lösungen, die die Verbrauchswerte von Gebäuden senken. Damit sie nachhaltiger und kostengünstiger betrieben werden. Sie sind interessiert an einem weiteren Austausch? Vernetzen Sie sich ganz einfach über das Linkedin-Icon mit Andreas.
 
 

Text: Eva Beck, Illustration: Thomas Hardtmann