Feuerlöschanlagen und Hydranten: Ein einfacher Wasseranschluss reicht nicht
Michael Tobias,
29.09.2019
TGA

Feuerlöschanlagen und Hydranten: Ein einfacher Wasseranschluss reicht nicht

Wenn Wasser lange in der Leitung steht, können sich gefährliche Keime ausbreiten. Sprinkleranlagen müssen daher zuverlässig vom Trinkwassernetz getrennt werden.

Wenn man aus dem Urlaub zurück kommt …

… dann läuft erst einmal eine ziemlich unappetitliche Brühe aus dem Hahn. Wochenlang wurde nichts entnommen, daher haben sich in der Leitung Rost und andere Ablagerungen angesammelt, die das Wasser rotbraun färben. Bei der ersten Dusche riecht es recht unangenehm nach korrodiertem Eisen.

Viel gefährlicher aber als der Rost sind die Bakterien, die sich im Laufe der Zeit im stehenden Wasser vermehrt haben. Es hat sich erwärmt und damit geradezu paradiesische Verhältnisse für Mikroorganismen geschaffen, unter denen sich auch gefährliche Legionellen1 befinden können.

Daher raten Experten, nach dem Urlaub erst einmal alle Wasserhähne aufzudrehen und das System ordentlich durchzuspülen2. Bei normaler Nutzung sind Bakterien oder Ablagerungen ohnehin kein Problem: Unser Trinkwasser kommt stets in einwandfreier Qualität an.

Wenn man Löschtechnik plant …

… dann muss man darauf achten, dass das auch so bleibt. Feuerlöschanlagen und Hydranten einfach an das Trinkwassernetz anzuschließen, das wäre keine gute Idee. Sie sind ja – gottlob – nur in Ausnahmefällen in Betrieb, wenn es wirklich mal brennt oder das System zur Probe ausgelöst wird. Ansonsten steht das Wasser über sehr lange Zeiträume in den Zuleitungen – weitaus länger als während eines Urlaubs. Eine Kontamination ist daher nicht auszuschließen.

Hinzu kommt: Wasser ist inkompressibel. Es dehnt sich bei Temperaturerhöhung aus und würde aus einem direkt angeschlossenen Feuerlösch-Leitungsnetz zurück ins Trinkwassersystem gedrückt – entgegen der normalen Fließrichtung. Die DIN EN 1717 zum Schutz des Trinkwassers vor Verunreinigung durch Nichttrinkwasser unterscheidet bei Flüssigkeiten fünf Gefährdungskategorien. Das in den Zuleitungen vorgehaltene Löschwasser fällt dabei unter die höchste Gefahrenstufe fünf. Es muss also über eine Sicherheits-Trennstation vom Trinkwassernetz separiert werden.

Dazu gibt es rein mechanische Lösungen: Dabei wird das Löschwasser aus einem Vorratsbehälter entnommen. Ähnlich wie in einem WC-Spülkasten strömt Frischwasser über ein Schwimmerventil aus dem Trinkwassernetz nach, wenn es gebraucht wird. Der Zulauf liegt dabei immer über dem Wasserspiegel. Die Zuleitung zum Schwimmerventil wird mindestens alle 72 Stunden durchgespült. Ein Überlauf verhindert eine Überfüllung des Vorratsbehälters.

Es gibt auch kompaktere Lösungen, die eine interne Sperrschicht aus Desinfektionsmittel bilden, das vollautomatisch nachgespeist wird. Durch Spül- und Sicherungseinrichtungen wird sogar dann ein direkter Kontakt des Löschwassers mit dem Trinkwasser verhindert, wenn das System gerade einen Brand bekämpft.

Die Trinkwasserhygiene ist aber nur ein Faktor, der einen sicheren Dauerbetrieb gewährleistet. So muss zum Beispiel der Aufstellort der Trennstation überflutungssicher sein, damit bei einer Fehlfunktion kein großer Wasserschaden entsteht. Die Überflutungssicherheit ist aber wiederum nur eine von vielen Anforderungen, Normen und Richtlinien, die es bei Technikzentralen einzuhalten gilt.

Feuerlöschanlagen und Hydranten sind eben weit mehr als einfache Wasserleitungen. Brandschutz ist Vertrauenssache: Die Technik muss zuverlässig und betriebssicher sein – auch wenn sie hoffentlich nie in Betrieb geht.

 

Text: Eva-Maria Beck, Illustration: Thomas Hardtmann

Quellen: [1] Wikipedia[2] TÜV NORD