Vernetzte Sensoren im Gebäude – Was leisten sie wirklich?
Andreas Blassy,
11.02.2019
Digitalisierung

Vernetzte Sensoren im Gebäude – Was leisten sie wirklich?

"Ich hätte nie gedacht, …

… dass so etwas in einer modernen Gesellschaft passiert.“ [1] Davide Capello, der nach dem Brückeneinsturz von Genua mit seinem Auto in die Tiefe fiel, kann es noch heute nicht fassen. Experten glauben, dass ein gerissenes Tragseil Ursache der Katastrophe war – aber so ganz genau wissen das selbst Spezialisten nicht.

Materialermüdung nennt man die Schwächung durch Dauerbelastung. Wie sie wirkt, kann jeder mit einem Streifen Blech selbst ausprobieren. Biegt man ihn einmal durch und dann wieder gerade, sieht er, bis auf einen kleinen Knick, aus, wie zuvor. Wiederholt man diesen Vorgang allerdings 50- oder 100-mal, bricht derselbe Streifen auf einmal durch wie ein Butterkeks. Das Tückische an dieser Art der Abnutzung: Man sieht dem Material seinen „Ermüdungszustand“ kaum an.

Will man vorhersagen, wann der Blechstreifen bricht – oder das Tragseil reißt – muss man sozusagen genau mitzählen, wie oft welche Kräfte wirken. Die moderne Sensortechnik macht genau das möglich.

Sensortechnik ist eigentlich nichts Neues …

… Temperaturfühler an Heizungen und Drehzahlmesser an Motoren gab es schon vor dem Internet. Neu ist allerdings, dass man Sensoren mit dem Internet of Things heute so einfach wie nie zuvor einsetzen und miteinander vernetzen kann. Wir können unserer Technik also weit besser auf den Zahn fühlen als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Und von dieser Möglichkeit machen wir reichlich Gebrauch: Schätzungen zufolge wird das Marktvolumen bei intelligenten Sensoren im Jahr 2020 auf etwa 29 Milliarden Einheiten anwachsen. [2]

Es ist nun an uns, diese intelligente Technik auch intelligent einzusetzen: Wenn wir genau messen und zählen, welche Kräfte und welche Stoffe auf eine Struktur einwirken, dann können wir weitaus zuverlässiger vorhersagen, wann ein Seil reißt – oder wann es mal wieder Zeit wird, den Heizkessel zu entkalken.

An die Stelle rein zeitgebundener Wartungs- und Inspektionsintervalle werden gezielte Aktionen treten, ausgelöst durch Daten, die von intelligenten Sensoren ermittelt – und von noch intelligenteren Mitarbeitern richtig interpretiert werden.

Denn jeder Sensor ist eben auch selbst eine Fehlerquelle und bringt nur Vorteile, wenn er sinnvoll platziert und in ein Konzept eingebunden ist, in dem der Mensch nach wie vor eine ganz entscheidende Rolle spielt. Richtig eingesetzt, bringt moderne Sensorik aber auch handfeste wirtschaftliche Vorteile – zum Beispiel bei einer Papierfabrik, die ihren Erlös durch Überwachungstechnik und Dienstleistungen von Caverion immerhin um zwei Prozent steigern konnte.

Es gibt also noch viel zu messen – wenn man keinen Mist misst!

 

Text: Eva-Maria Beck, Illustration: Thomas Hardtmann

Quellen: [1] Stern.de[2]Statista