BSL4-Reinraumtechnik im Hochsicherheitslabor
Hartmut Hölzel,
12.08.2021
TGA

Vir(en) müssen leider drinnen bleiben

Wo an gefährlichen Krankheitserregern wie Covid-19-Viren geforscht wird, gelten strengste Hygiene- und Sicherheitsvorgaben. Fehler bei der Wartung können hier fatale Folgen haben. Bio-Labors der höchsten Schutzklasse gehören zu den anspruchsvollsten Bereichen in puncto Klimatechnik und Facility Management.

Einen der sichersten Kuhställe der Welt gibt es auf der auf der Insel Riems: Dort betreibt das Friedrich-Loeffler-Institut ein Hochsicherheitslabor, in dem unter anderem Biozoonosen untersucht werden. Können sich Hausrinder mit dem Coronavirus anstecken? Wie gefährlich ist die afrikanische Schweinepest? Diesen und anderen brisanten Fragen geht man hier auf den Grund. Es ist aber weniger die abgeschiedene Insel-Lage, die das Labor ausbruchssicher für Viren macht. Hier spielt neben anderen strikten Hygienemaßnahmen das Facility Management eine entscheidende Rolle. Ein ausgeklügeltes Be- und Entlüftungssystem sowie HEPA-Filter (High-Efficiency Particulate Air/Arrestance) mit einem gesamt-Abscheidegrad von mehr als 99,995 Prozent (H14) sorgen dafür, dass keine gefährlichen Partikel nach draußen gelangen.

Das gilt genauso für das Robert-Koch-Institut in Berlin und das Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg. Sie betreiben so genannte BSL-4-Labors (Bio Savety Level). Hier – und nur hier – darf an hoch pathogenen Erregern, zum Beispiel an Ebola-Viren, geforscht werden. Und noch eines haben diese drei ungewöhnlichen Standorte gemeinsam: Sowohl bei der technischen Ausstattung der Labors als auch bei der Wartung verlassen sich die Verantwortlichen auf Caverion.

Kontaktbeschränkung der ganz besonderen Art

Jede noch so geringe Möglichkeit, mit den gefährlichen Mikroorganismen in Kontakt zu kommen, muss ausgeschlossen werden; das ist die Devise, nicht nur bei der Auslegung der Gebäude, sondern auch bei der laufenden Wartung. Das gilt für die Personen, die innerhalb des Labors mit den gefährlichen Substanzen arbeiten, genauso wie für die Umgebung des Labors. Deswegen müssen die Sicherheitssysteme mindestens einmal im Jahr überprüft werden. Damit wir sicher arbeiten können, wird vor einer Wartung das Labor geschlossen und mit Wasserstoffperoxid begast, das alle eventuell noch vorhandenen Erreger inaktiviert. Dann können wir das Labor ohne weitere Sicherheitsmaßnahmen betreten.

Im Rahmen der Wartung tauschen wir alle H14-Filter aus, überprüfen das Containment und die Leittechnik. Die Dichtigkeit der Labors muss regelmäßig getestet werden. Hierzu wird ein Unterdruck erzeugt, der ohne weitere Maßnahmen 20 Minuten lang stabil bleiben muss. Während des Betriebs herrscht in den Labors immer ein leichter Unterdruck, so dass selbst bei eventuellen Undichtigkeiten keine kontaminierte Luft nach draußen gelangen kann.

Bei der Inspektion sind wir mit bis zu fünf Mitarbeitern ständig vor Ort. Das Caverion-Team für BLS4-Standorte setzt sich aus Ingenieuren, Meistern, Technikern und Gesellen zusammen. Alle sind zertifizierte Reinraumtechniker mit IHK-Prüfung. Sie erhalten regelmäßige Fortbildungen durch die IHK und werden durch den Betreiber ein- und unterwiesen. Sie kennen die Gefahren, die von diesen Laboren ausgehen können.

Nur absolut vertrauenswürdige Mitarbeiter zugelassen

Wer in einem derart hochsensiblen Bereich arbeiten will, der braucht nicht zuletzt einen einwandfreien Leumund. Man mag sich kaum ausmalen, welche Auswirkungen ein Terroranschlag in einem BSL-4-Labor hätte. Daher müssen sich alle an den Wartungsarbeiten Beteiligten einer Ü1- oder Ü2-Sicherheitsüberprüfung unterziehen.

Verlässliche Arbeit, von vertrauenswürdigen Spezialisten, das ist ein Service, der auch außerhalb der Bio-Hochsicherheitslabors gefragt ist: Wir sind im Operationssaal genauso im Einsatz wie im Reinraum der Industrie, beispielsweise im Bereich Mikroelektronik oder Pharma. Darüber hinaus übernehmen wir Aufträge, die über eine Standardwartung hinausgehen, etwa bei der Begutachtung von Anlagen nach der Hygieneempfehlung VDI 6022, der Bestimmung der ISO-Klasse oder der Messung nach GMP.

Facility Management ist Vertrauenssache. Nirgends gilt das mehr als dort, wo sich Menschen zu Forschungs- oder Therapiezwecken einem potenziellen Infektionsrisiko aussetzen. Wartungsmängel in einem Bürogebäude sind ärgerlich – in einem BSL-4-Labor oder im OP können sie tödlich sein. Deshalb kontrollieren wir jeden Arbeitsschritt besonders genau – und wenn wir mit der Kontrolle fertig sind, überprüfen wir alles lieber noch einmal. Patienten, Forscher und Produzenten vertrauen uns – als dem Experten für hygienisches und komfortables Raumklima.

Und diesem Vertrauen müssen wir Tag für Tag gerecht werden.

 

Über den Autor

 
Hartmut Hölzel
Hartmut Hölzel
Niederlassungsleiter
Planen, bauen, betreiben – als Niederlassungsleiter ist Hartmut Hölzel ein Organisationstalent und kennt sich bestens im Tagesgeschäft eines Gebäudetechnikspezialisten aus. Sie sind interessiert an einem weiteren Austausch? Vernetzen Sie sich ganz einfach über das LinkedIn-Icon mit Hartmut.
 
 

Text: Eva-Maria Beck, Illustration: Thomas Hardtmann