Facility Management? Brauch‘ ich nicht! – Protokoll eines Einsparversuchs
Peter Hartmann,
27.02.2019
Facility Management

Facility Management? Brauch‘ ich nicht! – Protokoll eines Einsparversuchs

Der Kontrollbesuch eines erfolgreichen Sanierers – eine (nicht ganz ernst gemeinte) Was-wäre-wenn-Analyse.

Na also – geht doch auch ohne …

… Facility Management. Als ich die Leitung der Firma vor ein paar Monaten übernommen habe, konnte ich die Kosten von heute auf morgen gleich einmal deutlich reduzieren. Das mit dem „Hausmeisterdienst“ hatten wir ja ohnehin schon outgesourced – und der Vertrag ist ja gottseidank monatlich kündbar.

Für mein konsequentes Handeln – das Facility Management komplett abzuschaffen – bekam ich viel Lob von den Aktionären, die das eingesparte Geld gleich als Dividende verbuchen konnten. Und wie gesagt, es geht doch auch ohne – am Tag 1 nach der Abschaffung: nicht eine Beschwerde!

Das war vor einem halben Jahr. Aber jetzt gibt es auf einmal Genöle: Da sei doch noch ein wenig Optimierungsbedarf, stand auf einer etwas aufgeweichten und muffig riechenden Postkarte, die mich im Urlaub erreichte. Ich werde mal im Firmengebäude nach dem Rechten sehen.

Der Parkplatz wirkt etwas vernachlässigt …

… zwischen Müllbergen und Autowracks hat sich ein Altwarenhändler eingerichtet. Das mit dem Platten links vorne an meinem Wagen sei nicht verwunderlich, erklärt er nicht ganz akzentfrei – „bei den vielen Glasscherben!“

Ich rüttle vergeblich an der Eingangstür: „Hereinspaziert!“, flötet die ewig gut gelaunte Dombrowski vom Einkauf aus dem Parterre und verweist auf die Leiter vor dem Fenster. Mit der Zugangskontrolle – da gäbe es so das eine oder andere Problemchen.

Ich versuche, mich zum Aufzug vorzuarbeiten. Das ist nicht ganz so einfach, denn der Teppichboden hat, naja, ein gewisses Eigenleben entwickelt. Auf der glitschigen Schimmelschicht finde ich zu wenig Halt. Die Landung auf dem Stapel halbleerer Pizzakartons ist glücklicherweise erstaunlich weich.

Am Lift treffe ich den alten Grantler Höckenstaller vom Versand und frage ihn, warum er mit der alten Euro-Palette das viele Wasser vom Teppich in den Aufzugschacht schiebt. „Der Aufzug tut’s ja ohnehin schon lange nicht mehr“, brummt er, das viele Wasser habe der Elektrik wohl nicht so gut getan.

Das mit dem Wasserschaden …

… solle ich doch am besten persönlich klären, mit dem Schmitz von der Buchhaltung.

„Ohne Mampf kein Kampf“, verteidigt sich der Beschuldigte. Nachdem die Kantine zu war, musste er sich halt seinen Asia-Nudeltopf mit dem Benzinkocher warmmachen. „Und umgeschmissen hat ihn ja die Overbeck, das alte Trampeltier.“ Aber alles halb so schlimm, beruhigt mich Schmitz, der Sprinkler habe ja korrekt ausgelöst – vor zwei Wochen, „bloß wie man den wieder auskriegt …“; praktischerweise laufe das meiste Wasser ja ohnehin durch den Fahrstuhlschacht ab.

Im Winter werde es da allerdings Glatteisprobleme geben, moniert der ewige Querulant Gmeinwieser (wofür der eigentlich überbezahlt wird, habe ich nie so ganz verstanden), denn die Heizung – „da ist wohl was mit der Umwälzpumpe, und das Öl bestellt sich auch nicht von alleine.“

Da ist sie wieder, meine blöde Bronchitis, und schnürt mir die Kehle zu. „Das sind die vielen Schimmelsporen in der Luft“, erklärt mir die Müller-Dornfeldt vom Controlling. „Ich würde ja gerne einen Arzt rufen“, meint sie schnippisch, „aber die Telefonanlage hat’s schon seit einem Monat hinter sich – und Gespräche mit Privat-Handys, die haben Sie ja ausdrücklich verboten, gell?“

Naja, vielleicht ist das mit dem Facility Management ja doch nicht so überflüssig wie ich dachte. Da sollte ich vielleicht jemanden fragen, der was davon versteht. Ich wische auf meinem Smartphone herum. Wie hieß der Laden noch gleich?

Irgendwas mit C …  

Text: Eva-Maria Beck, Illustration: Thomas Hardtmann