Warum die Energetische Sanierung die richtige Medizin für Ihr Gebäude und Ihre Mitarbeiter ist
Andreas Blassy,
09.08.2018
Energie

Warum die Energetische Sanierung die richtige Medizin für Ihr Gebäude und Ihre Mitarbeiter ist

Prima Klima im Betrieb …

… darunter verstand man früher vor allem das soziale und hierarchische Gefüge im Unternehmen – das Verhältnis zwischen Angestelltem und Führungsetage, zum Beispiel. Und genau jenes konnte sich sehr schnell verdüstern, wenn die Hintersassen in Bezug auf einen komfortabel, ergonomisch und ästhetisch gestalteten Arbeitsplatz irgendwelche Ansprüche stellten. Das war vor langer Zeit – als die Babyboomer in die Arbeitswelt drängten und für jeden noch so unattraktiven Job eine Vielzahl an Bewerbern zur Verfügung stand. („Wenn Ihnen was nicht passt: Hinter Ihnen warten noch zwanzig andere – denen’s passt!“)

times they are changing …

… das musste so mancher Personaler schon leidvoll erfahren: Gerade gut ausgebildete junge Arbeitskräfte haben heute die Wahl zwischen mehreren Stellen – und ausgesprochen wenig Verständnis dafür, wenn zwar die Maschinen im Rechenzentrum mit einer ausgetüftelten Lüftungs- und Klimatechnik bedacht werden, nicht aber die Mitarbeiter.

Wer eine gute und richtige Belüftung dennoch für nicht so wichtig hält, sollte sich eine norwegische Studie anschauen, die an der Universität Stavanger unter Leitung von Dr. Ragnhild Wiik erstellt wurde. „Viele Jahre schenkten wir vor allem der psycho-sozialen Umgebung hohe Aufmerksamkeit. Wir können nun belegen, dass die Luftqualität die Produktivität am Arbeitsplatz mindestens ebenso beeinflusst“, resümiert die Wissenschaftlerin.

Insbesondere die trockene Heizungsluft macht uns zu schaffen. Das konnten wir im vergangenen März-Winter ausgiebiger erfahren als uns lieb war. Eine zu geringe relative Luftfeuchtigkeit setzt uns zu; gereizte Augen und Schleimhäute sind die Folge. Das führt oft zu Kopfschmerzen – und senkt die Produktivität.

Das „Sick-Building-Syndrom“ …

… ,bereits 1982 von der WHO definiert, beschreibt unspezifische Beschwerden bei mehr als 10 bis 20 Prozent der Belegschaft – Beschwerden, die nach Verlassen des Gebäudes wieder verschwinden. Ursache ist oft zu trockene Luft. Sie macht uns zudem anfälliger für Infekte und befeuert die alljährliche Grippewelle, die in diesem Winter schon zu echten Personal-Engpässen geführt hat. Die ständige Verdunstung auf der Haut kühlt überdies und lässt uns die Heizung höher drehen – was wiederum die relative Luftfeuchtigkeit senkt. Daher empfiehlt Dr. Ragnhild Wiik eine Raumtemperatur von 21 Grad.

Die norwegische Studie konnte nachweisen, dass ein Upgrade der Büroumgebung auf moderne ergonomische Standards zu einer Produktivitätssteigerung von drei Prozent führt. Das scheint zunächst nicht allzu viel. Bedenkt man aber, dass in vielen Unternehmen die Gehälter 90 Prozent der Gesamtkosten ausmachen, kommen schnell Summen zusammen, die eine baldige Amortisation versprechen.

Rechnet man einmal genauer nach, so ergeben sich beispielsweise für die Sanierung eines 500 Quadratmeter großen Büros Investitionskosten von etwa 750.000 Euro. Dem stehen Energieeinsparungen von rund 8.000 Euro pro Jahr gegenüber – und ein jährlicher Produktivitätszuwachs im Wert von 52.000 Euro.


Schwer zu quantisieren, aber dennoch nicht zu vernachlässigen: Die Vermeidung von Krankheitstagen und vor allem Kündigungen infolge des Sick-Building-Syndroms. Und hier lässt sich mit dem richtigen Betriebsklima richtig Geld sparen – denn bereits die Kündigung in einer unteren Gehaltsgruppe kann das Unternehmen 25.000 Euro kosten. Und wie bereits erwähnt: Der Mitarbeiter von heute stimmt schnell mal mit den Füßen ab…

Auch wenn sich das Problem mit dem Frühjahr quasi von selbst bessert: Der nächste Winter kommt bestimmt. Und wer bis dahin für ein gutes physikalisches Betriebsklima gesorgt hat, ist klar im Vorteil: Er steigert die Produktivität der Belegschaft, spart Heizkosten und senkt den Krankenstand. Da sollte man doch den Sommer nutzen, und ein neues Lüftungssystem installieren – ja, auch für die Menschen!

 

Text: Eva-Maria Beck, Illustration: Thomas Hardtmann