Die Zukunft der Gebäudeheizung: Energie wird immer kostbarer
Hartmut Hölzel,
08.01.2020
Zukunft

Die Zukunft der Gebäudeheizung: Energie wird immer kostbarer

Ist die traditionelle Ölheizung schon ein Sanierungsfall? Wohl nicht. Dennoch sind auch bei der Wärmeerzeugung neue Energien und Konzepte unaufhaltsam auf dem Vormarsch, nicht nur in der bayerischen Landeshauptstadt.

Dass man in München Erdöl findet ...

… ist mehr als unwahrscheinlich. Der Bohrturm, den man seit geraumer Zeit am Isarufer bewundern kann, dient einem anderen Zweck: Die Stadtwerke errichten eine neue Geothermie-Anlage. Ab 2020 soll sie mit einer Leistung von 50 Megawatt Ökowärme für 80.000 Münchner liefern.

Dass man inzwischen statt nach Erdöl eher nach Wärme bohrt, hat aber schon einen gewissen Symbolcharakter: Zeigt sich hier doch wieder einmal klar der Trend weg von fossilen Brennstoffen und hin zu regenerativen Energien – da lohnt die aufwändige Erschließung sogar hierzulande. Da passt ganz gut ins Bild, dass das nahegelegene Heizkraftwerk Süd bald einer modernen Gasturbine weichen muss, ein 50 mal 50 Meter großer Block, in dem auch die durch Geothermie produzierte Wärme zwischengespeichert wird.

Dass man seine Ölheizung bald herausreißen muss ...

… ist aber nur ein Gerücht: Zwar dürfen ab 2026 keine neuen Ölheizungen mehr eingebaut werden, bestehende Anlagen genießen aber natürlich Bestandsschutz. Noch über 2026 hinaus können Ölheizungen in Deutschland eingebaut werden, wenn sie mit erneuerbaren Energien gekoppelt werden.

Sogar das kohlebetriebene Heizkraftwerk Nord wird wohl nicht, wie in einem Bürgerentscheid beschlossen, 2022 abgeschaltet werden können, weil es als für die Versorgung systemrelevant eingestuft wurde. Dass wir auf Öl, Kohle, und Gas nicht so bald verzichten können, muss wohl auch eine noch so grüne Politik einräumen.

Dass das Zeitalter fossiler Energie zu Ende geht ...

… ist dennoch eine Binsenweisheit. Öl, Gas und Kohle wachsen nun einmal nicht nach, und ihre Nutzung wird durch steigende Erschließungskosten und CO2-Besteuerung immer teurer. Zudem birgt sie Risiken, die eine Zukunftsplanung schwierig machen. Der Fracking-Stopp in Großbritannien wegen menschengemachter Erdbeben oder der politische Hickhack um die Gaspipeline Nord Stream 2 sind dafür nur zwei Beispiele aus neuerer Zeit. Wir werden uns umstellen müssen. An dieser Tatsache kommt man auch als Gebäudeplaner und -betreiber nicht vorbei.

Die gute Nachricht: Der steigende Energiepreis fördert Lösungen, die uns nicht nur ökologisch weiter bringen, sondern auch ein Stück unabhängiger von Energieimporten machen. Die Umrüstung unserer Heiztechnologie wird nicht umsonst zu haben sein. Aber: Wer keine Brennstoffe mehr einkaufen muss, kann seine Kosten dann langfristig planen – ohne die unvorhersehbaren Risiken, die der internationale Rohstoffmarkt nun einmal mit sich bringt.

Dass es eine universelle Patentlösung gibt ...

… können auch wir von Caverion leider nicht vermelden. Aber die Energiepolitik der Münchner Stadtväter könnte durchaus als Modell auch im gewerblichen Bereich dienen: Fossile Energien, dort, wo es noch notwendig ist, regenerative Modelle, dort wo es sinnvoller und zukunftsträchtiger erscheint. Wie Ihre Heizung der Zukunft aussehen könnte, das klären wir am besten in einem persönlichen Gespräch – an langen Winterabenden. 

 

Über den Autor

 
Hartmut Hölzel
Hartmut Hölzel
Niederlassungsleiter
Planen, bauen, betreiben – als Niederlassungsleiter ist Hartmut Hölzel ein Organisationstalent und kennt sich bestens im Tagesgeschäft eines Gebäudetechnikspezialisten aus. Sie sind interessiert an einem weiteren Austausch? Vernetzen Sie sich ganz einfach über das LinkedIn-Icon mit Hartmut.
 
 

Text: Eva-Maria Beck, Illustration: Thomas Hardtmann