Klimaschutz und Immobilienbewertung
Andreas Blassy,
19.08.2020
Digitalisierung

Klimaschutz und Immobilienbewertung

Schon im Jahr 2050 will die Bundesregierung „nahezu klimaneutrale“ Städte und Gemeinden. Dabei sollen energieeffiziente und benutzerfreundliche Gebäude einen zentralen Beitrag leisten. Die Immobilie der Zukunft wird also stärker denn je nach Klimaschutzkriterien bewertet werden. Das sollte man bei der Planung und Investitionsentscheidung unbedingt berücksichtigen. 

Die Zeit drängt …

… schon in zehn Jahren sollen Gebäude nur noch etwa 35 Prozent der CO2-Emissionen von 1990 ausstoßen. Bis 2050 will die Bundesregierung diesen Wert sukzessive immer weiter drücken – auf 5 bis 15 Prozent des Referenzwertes von 1990. Diese Ziele sind ehrgeizig, aber durchaus umsetzbar. Denn während im Verkehrssektor der Wirkungsgrad und die Energieeffizienz an die physikalischen Grenzen, zum Beispiel von Wärmekraftmaschinen, stoßen, lassen sich Gebäude theoretisch durchaus auf Nullemission trimmen.

Die Frage ist allerdings, was das dann in der Praxis kostet und wie rentabel der Klimaschutz für Investoren und Betreiber ist. Dies zu beantworten ist nach wie vor schwierig, denn die Energie- und Klimaperformance spielte bei der Immobilienbewertung bisher kaum eine Rolle. Es fehlten einheitliche und vergleichbare Bewertungsmaßstäbe.

Die EU legt vor …

…  und zwar einen Smart Readiness Indicator (SRI) für die Immobilienbewertung, dessen Einführung auf der Basis des Maßnahmenpakets „Clean Energy for All Europeans“ von 2016 mit der letzten Änderung der EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) 2018 beschlossen wurde. Die EU-Kommission wird noch in diesem Jahr ein Bewertungsschema inklusive Definition und Methodik der Berechnung des SRI vorstellen.

Die SRI-Bewertung gibt Aufschluss über den Digitalisierungsgrad, also darüber, wie „smart“ ein Gebäude ist. Denn die intelligente Technik bildet die Basis für weniger CO2-Emissionen und mehr Nutzungskomfort. Dabei konzentriert man sich zum Beispiel auf folgende Kriterien:

    • Wie gut kann ein Gebäude seinen Betrieb und die Gesamtenergieeffizienz bei der Anpassung an Energie aus erneuerbaren Quellen aufrechterhalten?
    • Wie gut lässt sich ein Gebäude auf den Bedarf der Bewohnenden abstimmen? Dabei spielen Raumklima, Benutzerfreundlichkeit und Dokumentation des Energieverbrauchs eine wichtige Rolle.
    • Wie flexibel lässt sich der Gesamtenergiebedarf eines Gebäudes decken? Ist beispielsweise eine netzabhängige Laststeuerung oder eine Lastverschiebung möglich?

Ein Excel-Tool rechnet …

… schon jetzt bei der Immobilienbewertung nach Klimaaspekten: Der Carbon Value Analyser wurde von der Deutschen Unternehmensinitiative Energieef´Čüzienz e.V. (DENEFF), von PricewaterhouseCoopers (PwC) und von dem Buildings Performance Institut Europe (BPIE) entwickelt. Fördermittel gab es von der Redevco Foundation und der Deutsche Bundesstiftung Umwelt.

Das kostenlos erhältliche Bewertungstool ermöglicht Voraussagen über die potenzielle Wertentwicklung von Gebäuden – unter der Annahme verschiedener Szenarien der Klimaregulierung. Die Ergebnisse sprechen für sich: So kann eine Immobilie mit hohem Energiebedarf (140 kWh/m2 pro Jahr) durch eine erforderliche energetische Sanierung annähernd 30 Prozent ihres Wertes einbüßen, während die Niedrigenergievariante (99 kWh/m2 pro Jahr) bei ansonsten gleichen Rahmenbedingungen wertstabil bleibt.1 Damit stehen Gebäudeeigentümern und Investoren endlich standardisierte Kennwerte für Wertermittlungen und -prognosen zur Verfügung.

Die Politik entscheidet …

… mit ihrer Gesetzgebung darüber, welches Regulationsszenario wie schnell Realität wird. Das macht eine Bewertung, eine Planungs- und Investitionsentscheidung nicht einfacher. Aber die Weichen stehen national, wie EU-weit klar in Richtung Klimaschutz und Smart Building. Deshalb sollte man tunlichst den Zug nicht verpassen. Denn wer eine ohnehin mittelfristig gesetzlich erforderliche Sanierung vorzieht, spart schon heute Energiekosten und kommt auf lange Sicht deutlich günstiger weg. Und wer schon heute Geld in die Hand nimmt und Standards übererfüllt, kann sich teure zukünftige Sanierungen gleich ganz sparen.

Wir von Caverion beschäftigen uns schon seit vielen Jahren mit Klimaschutz und Gebäudeeffizienz. Wir helfen Ihnen bei der vorausschauenden Immobilienbewertung, bei der Planung und Investitionsentscheidung. Als Spezialisten für den Bereich Digitalisierung und Energiedienstleistungen sind wir prädestiniert, langfristig Gebäude energie- und klimaeffizient zu betrieben und laufend zu verbessern. Wir kommen aus der Praxis, wir kennen die relevanten Tools und Indikatoren, wir rechnen vor, was heute sinnvoll – und was auf lange Sicht vernünftig ist.

Für den Unternehmenserfolg und für das Klima.

 

Über den Autor

 
Andreas Blassy
Andreas Blassy
Leiter Digital- & Energie Services
Beim Thema Energie geht Andreas Blassy nicht die Energie aus: Er entwickelt innovative Lösungen, die die Verbrauchswerte von Gebäuden senken. Damit sie nachhaltiger und kostengünstiger betrieben werden. Sie sind interessiert an einem weiteren Austausch? Vernetzen Sie sich ganz einfach über das Linkedin-Icon mit Andreas.
 
 

Text: Eva-Maria Beck, Illustration: Thomas Hardtmann
Quelle: PWC